Große abdominelle und thorakale Eingriffe werden sicherer

N=516.392 (47.318 Pankreasresektionen, 29.812 Ösophagusresektionen, 116.383 Rektumresektionen und 322.879 Lungenresektionen). Mittleres Patientenalter 73,1 Jahre.
Letalität 2005 –> 2016
> Pankreasresektion: 5,5% –> 4,8%
> Ösophagusresektion: 6,7% –> 5,0%
> Rektumresektionen: 3,6% –> 2,7%
> Lungenresektionen: 4,2% –> 2,7%
Die risikoadjustierte Sterblichkeitsrate bei Pankreasresektionen für Krankenhäuser, die den Leapfrog-Volumenstandard erfüllen lag 2016 bei 3,8% (95% CI, 3,3%-4,3%) gegenüber 5,7% (95% CI, 5,1%-6,5%) für Krankenhäuser, die diesen Standard nicht erfüllen.

Wieder kommen 500.000 Pat. dazu, die die bisherigen Publikationen über die Mindestmengen an hunderttausenden Pat. untermauern.

Sheetz KH et al. Association of Discretionary Hospital Volume Standards for High-risk Cancer Surgery With Patient Outcomes and Access, 2005-2016 JAMA Surg 2019 (ahead of pub)

Mobilisation der linken Flexur im Rahmen einer Hemikolektomie links

Routinemäßige Mobilisation der linken Flexur im Rahmen einer Hemikolektomie links gilt in einigen Schulen als obligat, indem Anastomosendehiszenzen verhindert werden. Diese Daten ( 2005-2016) aus dem NSQIP Programm der Staaten zeigen an 66.068 Patienten, dass die routinemäßige Mobilisation der linken Flexur (sie wurde in 41,6% durchgeführt) keinen Unterschied in der Anastomosenrate zeigt (3,6% vs 3,7%). Unabhängige Risikofaktoren für eine Anastomosenlekage waren fehlende ABX Prophylaxe, Chemotherapie und Gewichtsverlust.

Die Daten haben natürlich einen beträchtlichen Bias, indem man (retrospektiven Analyse) natürlich annehmen muss, dass die Nichtdurchführung der Mobilisation aus welchen Gründen auch immer (z.B. genügend Länge, damit die Anastomose ohne Spannung durchgeführt werden konnte) gerechtfertigt erschien. Daher kann man nur schliessen, dass die obligate Mobilisation der linken Flexur nicht notwendig ist. So wie wir es seit Jahren an der VTT praktizieren.

Dilday JC et al. Examining Utility of Routine Splenic Flexure Mobilization during Colectomy and Impact on Anastomotic Complications. Am J Surg 2019 (ahead of print)

Und schon wieder wird´s nichts mit der Verhinderung von Adhäsionen

CRT, Kolonresektionen bei Karzinomen, N=345, ± Seprafilm bei medianer Laparotomie. Die mediane Nachbeobachtung betrug 61,9 Monate. Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit von Darmosbtruktionen und Reoperationen zwischen der Seprafilm-Gruppe (7,8%) und der Kontrollgruppe (10,6%) (P = 0,46).

Saito G et al. Preventive effects of a synthetic absorbable antiadhesive film (seprafilm) on small bowel obstruction in patients who underwent elective surgery for colon cancer: A randomized controlled trial. JSO 2019 (ahead of print)

Wie lange leben Pat. nach Adhäsiolyse?

2005 bis 2011, Orlando, Ontario. N=22.197, Alter im Durchschnitt 64,5 Jahre, 52% Frauen. 30-Tage Letalität: 5,7% (95%CI: 5,4 bis 6,0), die 90-Tage Sterberate: 8,7% (95%CI: 8,3 bis 9,0) und die 1-Jahresletalität: 13,9% (95%CI: 13,4 bis 14,3). Damit bezogen auf die altersstandardisierte Bevölkerung signifikant höher, bei unter als auch über 65-jährigen. Die Mehrheit der Todesfälle (62,5%) trat innerhalb von 90 Tagen auf, 36,4% nach der stationären Entlassung. 

Dünndarmobstruktionen durch Verwachsungen sind eine häufige Indikation für eine stationäre Aufnahme und an der VTT Grund für eine sehr vorsichtig gestellte Indikation zur OP. Die Frage nach dem kurz- und mittelfristigen Sterberisiko (in-Hospital, 30-Tage und 90-Tage Letalität, 1-Jahressterbedaten erwarten wir erst im Herbst) dieses Patientenkollektives war mir bislang nicht so richtig bewußt. Es hat sich erst nach Einführung des qualitätskontrollierten auditfähigen internen Registers (Entire Quality Controlled Registry) der VTT gezeigt, dass Pat. mit Dünndarmobstruktion zu den besonders gefährdeten und mit hohem Charlson-Komorbiditätsindex behafteten Pat. gehören. Diese Studie untermauert unsere Erfahrung.

Behman R et al. Population-based study of the impact of small bowel obstruction due to adhesions on short- and medium-term mortality
BJS 2019 (ahead of pub)

Worüber ich jeden Tag aufmerksam mache

Ausnahmsweise mein Kommentar vorangestellt: Die meiner Meinung nach sehr wichtige Arbeit, auf die ich erst jetzt gestoßen bin, die aber an Aktualität an nichts verloren hat, untersucht die Art von Fehlern in der Datenübertragung und -kommunikation, die zu unerwünschten Ereignissen und Beinahefehlern führt. Die signifikant geänderten Rahmenbedingungen (Stichwort AZG, Ressourcen, etc.) führt zu neuen Schnittstellen und die alten sind offener als je zuvor. Diese Problematik, auf die ich immer wieder bei den Routinebesprechungen der VTT hinweise, wird uns noch lange beschäftigen und mein Eindruck und meine Erfahrung ist, dass sich digitale Systeme, die ich sehr forciert habe, nicht alleine das Potential haben den entscheidenden Fortschritt zu erzielen, sondern es wird an jedem/r einzelnen Mitarbeiter*in liegen sich seiner/ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Zum Beispiel bei den Routinebesprechungen aufmerksam zu sein und die Information ans Krankenbett mitzutragen, die Kollegen*innen die Fehlzeit haben zu informieren etc.

Zur Arbeit: Gruppensitzungen wurden mit spezialisierten Chirurgen (n = 59), Allgemeinchirurgen (n = 36) und OP-Schwestern (n = 42) in 5 medizinischen Zentren durchgeführt. Fallbeschreibungen und allgemeine Kommentare wurden nach der Art der Informations- Kommunikaitonslücken und deren Auswirkungen auf Patienten und auf die medizinische Versorgung klassifiziert.
Insgesamt wurden 328 Fallbeschreibungen und allgemeine Kommentare eingeholt und klassifiziert. Die Vorfälle gliederten sich in 4 Bereiche:
> verschwommene Verantwortlichkeiten (87 Berichte)
> verminderte Vertrautheit des Chirurgen mit den Pat. (123 Berichte)
> Ablenkung der Aufmerksamkeit des Chirurgen (31 Berichte)
und
> Defizite in der Kommunikation (67 Berichte).


Die Folgen von Kommunikations- und Informationsverlusten waren:
> Verzögerungen in der Patientenversorgung (77% der Fälle)
> vergeudete Arbeiterzeit (48%) und
> schwerwiegende unerwünschte Folgen für den Patienten (31%).


Schlussfolgerung: Defizite in der Kommunikation und Informationsweitergabe tragen erheblich zu negativen Folgen für den Patienten und zur Ineffizienz der Arbeit bei. Es bedarf einer erheblichen Änderung der Unternehmenskultur um diesen brennenden Problemen zu begegnen.

Williams RG et al. Surgeon information transfer and communication: factors affecting quality and efficiency of inpatient care Annals of Surgery 2007;245:159-69

Kein Vorteil für ABX Spülung bei PPPD

CRT, N=190, Kein Unterschied zu 0,9% NaCl Spülung. Weitere Daten: SSI 1-2 9,5, intraabdom. 7-8%, POPF B&C 12%

Maatman TL et al. Antibiotic irrigation during pancreatoduodenectomy to prevent infection and pancreatic fistula: A randomized controlled clinical trial Surgery 2019 (ahead of pub)

Lungemets, LA zur Tumorektomie bringt nichts

N=180, 86 mit LA. Kein Unterschied im Überleben, kein Unterschied im Auftreten von Rezidiven. DFS < 29 Monate (P < 0,001) und Koborbiditäten der Lunge (P = 0,003) sind Prädiktoren für Letalität, unabhängige Prognoseparameter sind multiple Mets und interessanterweise ein Alter unter 67 Jahren.

Londero F et al. Lymphadenectomy during pulmonary metastasectomy: Impact on survival and recurrence. Journal of Surgical Oncology 2019 (ahead of Pub)

Elster´sche Drüsenkörperzysten

Von Kurt Elster – deutscher Pathologe, erstmals beschrieben. 50 Prozent aller Patienten mit familiärer Adenomatosis coli haben diese Drüsenkörperzysten im Magen, obwohl diese insgesamt sehr häufig anzutreffen sind. Drüsenkörperzysten wurden lange vor der Ära der PPI beschrieben und stehen im Gegensatz zur Parietalzellhypertrophie nicht in Zusammenhang mit Langzeit-PPI. Der Zusammenhang der Drüsenkörperzysten mit kolorektalen Neoplasien gerade bei familiärer adenomatöser Polyposis (FAP), aber auch bei sporadischen kolorektalen Neoplasien wurde ebenfalls durch Kurt Elster angegeben, kann aber ein Confounder Effekt sein – Drüsenkörperzysten sind grundsätzlich häufig anzutreffen. Diese Assoziation wird daher heute kontrovers diskutiert. Anhand der aktuellen Literatur wird die leitliniengerechte Vorsorgekoloskopie unabhängig von dem Vorliegen von Drüsenkörperzysten empfohlen.

Die molekularen Unterschiede der Drüsenkörperzysten selbst zwischen Pat. mit sporadischen und FAP-assoziierten KRK sind immer noch nicht geklärt. Die Entartungswahrscheinlichkeit der Drüsenkörperzysten ist selbst bei Patienten mit FAP und Adenomen sehr gering. Bei sporadischen Drüsenkörperzysten ist das Risiko noch kleiner. So können routinemäßige Biopsien aus Drüsenkörperzysten nicht empfohlen werden.

Vieth M, Stolte M: Fundic gland polyps are not induced by proton pump inhibitor therapy. Am J Clin Pathol 2001; 116: 716–720

Venerito M, et al. Parietalzellhypertrophie und Drüsenkörperzysten Der Gastroenterologe 2018;2

Aggressive Flüssigkeitstherapie zur Verhinderung der post-ERCP Pankreatitis

CRT, Korea. N=395. Aggressive intravenöse Hydration mit Ringer Laktat = 3 mL/kg/h während ERCP, 20-mL/kg Bolus und 3 mL/kg/h während 8h nach ERCP im Vergleich zu NaCl oder Standard Therapie.

ITT: post-ERCP Pankreatitis (PEP) Rate aggressive Ringer Laktat Gruppe (3,0 %, 95%CI: 0,1 % - 5,9 %; 4 /132), NaCl Gruppe doppelt so hoch: (6,7 %, 95 %CI: 2,5 % - 10,9 %; 9 /134) Standard Gruppe 4-fach höher (11,6 %, 95 %CI: 6,1 % - 17,2 %; 15 /129; P = 0.03)

Dazu gibt es noch eine Meta-Analyse mit 7 CRT vor dieser CRT mit dem selben Ergebnis an 1.047 Pat.*: Daher sollte diese Prophylaxe durchgeführt werden.

Park CH et al. Aggressive intravenous hydration with lactated Ringer’s solution for prevention of post-ERCP pancreatitis: a prospective randomized multicenter clinical trial. Endoscopy. 2018;50:378-85

*Zhang ZF et al. Aggressive Hydration With Lactated Ringer Solution in Prevention of Postendoscopic Retrograde Cholangiopancreatography Pancreatitis: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials J Clin Gastroenterol. 2017;51:e17-e26