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Homepage der Univ. Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thorachirurgie Innsbruck

Alle Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie können ab sofort die Lehrbücher eChirurgie Teil 1, 2 und 3 als eBook im geschützten Mitgliederbereich herunterladen. Das Format ePub ist auf allen Apple Geräten mit iBook, auf Android Geräten mit zum Beispiel Calibre oder auch Kindle Geräten lesbar. Es steht auch eine PDF Version mit deutlich eingeschränkten Funktionen im Netz zur Verfügung. Die Lehrbücher lösen das Skriptum für Chirurgie, das auf der FoBiCH Homepage nicht mehr zur Verfügung steht, ab.

systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zur TNT

Diese systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersuchte den Langzeitnutzen der Total Neoadjuvant Therapy (TNT) im Vergleich zur Standard-neoadjuvanten Radiochemotherapie (nCRT) bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom (cT3–4 und/oder cN+, M0). Choi und Chae zeigten in einer Metaanalyse von fünf randomisierten Studien mit 2.104 Patienten, dass die Total Neoadjuvant Therapy (TNT) zwar die Rate pathologischer Komplettremissionen nahezu verdoppelt und das krankheitsfreie Überleben moderat verbessert, jedoch keinen Vorteil im Gesamtüberleben oder eine signifikante Reduktion von Fernmetastasen erreicht; zudem konnte ein möglicher Anstieg lokaler Rezidive nicht ausgeschlossen werden.

Trotz einer nahezu verdoppelten Rate pathologischer Komplettremissionen (pCR; OR 1,99) führte die Total Neoadjuvant Therapy (TNT) bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom in dieser Metaanalyse von fünf randomisierten Studien mit insgesamt 2.104 Patienten und einem medianen Follow-up von 67–87 Monaten lediglich zu einer moderaten Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens (DFS; HR 0,85). Ein Vorteil im Gesamtüberleben (OS; HR 0,89) sowie eine signifikante Reduktion von Fernmetastasen (OR 0,81) konnten hingegen nicht nachgewiesen werden. Auch die Rate lokaler Rezidive unterschied sich in der Primäranalyse nicht signifikant; in einer Sensitivitätsanalyse zeigte sich jedoch ein nicht signifikanter Trend zu mehr echten Beckenrezidiven unter TNT (OR 1,38; p=0,062). Insgesamt sprechen die Langzeitdaten dafür, dass TNT zwar das Ansprechen auf die Therapie verbessert und das krankheitsfreie Überleben moderat verlängert, der langfristige klinische Nutzen aufgrund des fehlenden Überlebensvorteils und eines möglichen Anstiegs lokaler Rezidive jedoch begrenzt sein könnte.

Choi SJ, Chae G. Total neoadjuvant therapy versus standard neoadjuvant chemoradiotherapy for locally advanced rectal cancer: A systematic review and meta-analysis of long-term outcomes. Surg Oncol. 2026 Jun 27.

Pina Low-T-Studie

Die multizentrische retrospektive Pina Low-T-Studie analysierte 185 Patientinnen und Patienten mit Sigmakarzinom (127 High Ligation [HLG], 58 Low Ligation [LLG]), die zwischen 2017 und 2022 operiert wurden. Während die High-Ligation mit einer höheren Lymphknotenausbeute verbunden war (20 vs. 15; p < 0,001), unterschieden sich die postoperative Verweildauer (6 vs. 5 Tage), die Anastomoseninsuffizienzrate (5,5 % vs. 1,7 %; p = 0,438) sowie das 3-Jahres-krankheitsfreie Überleben (85,5 % vs. 87,3 %) und Gesamtüberleben (89,7 % vs. 80,7 %) nicht signifikant zwischen beiden Verfahren. Die Autoren schlussfolgern, dass das Niveau der Ligatur der A. mesenterica inferior die onkologischen Ergebnisse nicht wesentlich beeinflusst und die Low-Ligation insbesondere bei älteren oder vulnerablen Patientinnen und Patienten eine sichere Alternative mit sehr niedrigen Anastomoseninsuffizienzraten darstellt.

In Innsbruck haben wir immer 1-2 cm ab dem Abgang der AMI diese durchtrennt, um den Nervenplexus um die Aorta nicht zu verletzen. Die Studie hat einige Limitationen.

Picotto S et al. Level of Vascular Ligation for Sigmoid Colon Cancer: Does It Matter? The Pina Low-T Study. J Surg Oncol. Published online May 26, 2026. doi:10.1002/jso.70179.

second opinion

Die Studie analysierte den Einfluss einer zweiten chirurgischen Meinung auf die perioperativen Ergebnisse bei 40.603 älteren Patientinnen und Patienten (66–90 Jahre) mit gastrointestinalen Tumoren. 56,2 % wurden ohne zweite Meinung operiert, 5,3 % erhielten eine zweite Meinung und wurden anschließend vom gleichen Chirurgen/in operiert, während 38,5 % nach der zweiten Meinung von einem anderen Chirurgen/in operiert wurden. Im Vergleich zu einer Operation ohne zweite Meinung war ein Chirurg:innenwechsel nach einer zweiten Meinung mit einer niedrigeren 90-Tage-Mortalität (aOR 0,67), weniger Komplikationen (aOR 0,90), einer geringeren Wiederaufnahmerate (aOR 0,92) sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit eines komplikationsarmen Behandlungsverlaufs („Textbook Outcome“; aOR 1,12) assoziiert. Dagegen zeigte eine zweite Meinung ohne Chirurg:innenwechsel keinen Überlebensvorteil und war sogar mit mehr Komplikationen und längeren Krankenhausaufenthalten verbunden. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Nutzen einer zweiten chirurgischen Meinung vor allem dann besteht, wenn sie den Zugang zu einem anderen chirurgischen Team ermöglicht. 

Mevawalla A, et al. A Tale of Two Pathways: Same-Surgeon Versus Different-Surgeon Resection After Second Surgical Opinion. J Surg Oncol. 2026 Jun 29. doi:10.1002/jso.70313.  

Unternehmenskultur an chirurgischen Abteilungen – gestern und heute

Ich bin vor kurzem auf einen interessanten Artikel in Passion Chirurgie gestoßen, der den Suizid des mir bislang unbekannten Chirurgen Conrad Middeldorpf im Jahr 1938 an der Charité unter Ferdinand Sauerbruch behandelt. Darin findet sich ein bemerkenswertes Originalzitat von Dr. Werner Forßmann (1904–1979), LINK der 1956 für seine Pionierarbeiten zur Herzkatheterisierung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. 1929 unternahm er den ersten von neun Selbstversuchen zur Herzkatheterisierung, wobei er sich selbst eine Sonde bis ins Herz legte und die damaligen Verhältnisse an der Klinik Sauerbruch als Zeitzeuge aus eigener Anschauung kannte. Das Zitat stammt aus seinen Lebenserinnerungen (Selbstversuch – Erinnerungen eines Chirurgen, 1972, S. 128) und lautet:

„[..] zum Drama wurde die Sauerbruchsche Klinik beinahe für jeden Menschen, der an ihrem Ufer Fuß faßte oder strandete. Die Tragik war um so größer, je Jünger die Betroffenen waren. Denn diese Institution maßte sich an, unter dem Vorwand der Erziehung zum ‚selbstlosen Arzt‘ die Charaktere zu verändern und entsprechend ihren eigenen Vorstellungen zu uniformieren. So war es Grundsatz, daß der Jüngere immer in Angst und Unruhe gehalten werden müsse, sonst leiste er nichts. Gedeihen konnten unter diesem ständigen Druck fast nur Sklavennaturen, und mancher ist unter dieser Dauerbelastung zerbrochen. [..]. Auch die Erfolgreichen sind nicht alle ohne Schaden zu nehmen durch dieses Fegefeuer gegangen. Äußerlich vielleicht unversehrt, aber innerlich zermürbt, vermochte selten einer etwas hervorzubringen, das den zu ihrer Zeit bahnbrechenden Ideen ihres Lehrers auch nur annähernd an Bedeutung nahekommt. Sie sind im Wesentlichen immer fleißige Kostgänger seines Ruhmes geblieben. Von der Verantwortung für die Dressur Methoden, die an der Klinik manchmal zu sadistischen Quälereien ausarteten, kann man Sauerbruch nicht ganz freisprechen. Alle paar Monate zitierte er die Volontäre der Klinik zu sich, um ihnen seinen Standpunkt über Zweck und Sinn der chirurgischen Ausbildung an seiner Klinik klarzumachen […]. „Meine Herren, Sie wollen also Chirurgen werden? Aber ein Chirurg kann nur werden, der sich seiner ganzen Persönlichkeit, seines ganzen Selbst entäußert. Dafür verbürgt einzig und allein der erste ernstgemeinte Selbstmordversuch!“ Daß das nicht nur so hingesagt, sondern voller Ernst war, sollte ich später aus den zwei Beispielen von Konrad Middeldorpf und […] erfahren“ 

Eine ähnliche, wenn auch deutlich weniger ausgeprägte Unternehmenskultur habe ich zu Beginn meiner eigenen chirurgischen Ausbildung ebenfalls noch erlebt. Vieles von dem, was damals praktiziert wurde, galt als vorbildlich und wurde kaum hinterfragt. Besonders der Zwiespalt, den Forßmann im Zusammenhang mit den Trauerfeierlichkeiten für Conrad Middeldorpf beschreibt, ist mir in Erinnerung geblieben. Sauerbruch hielt bei der Trauerfeier im Krematorium Wilmersdorf eine eindrucksvolle Rede. Das mehrfach handschriftlich überarbeitete Manuskript dieser Ansprache hat sich in seinem Nachlass erhalten und wird häufig als Dokument seiner Menschlichkeit angeführt. Umso bemerkenswerter ist der scharfe Kontrast zwischen dieser Trauerrede und den Berichten der Zeitzeugen über das Klima an seiner Klinik.

„Dieser gutmütige, immer freundliche Mann war bei allen beliebt. Sauerbruch war sein Abgott, dem er hörig war. Dem Widerstandslosen wurden alle Kärrnerarbeiten aufgebürdet. Für eine Neuauflage von Sauerbruchs dreibändigen Standardwerk ‚Die Chirurgie der Brustorgane mußte er die umfangreichen Literaturverzeichnisse und Nachschlageregister zusammenstellen und alle Korrekturen lesen. Er kam, weder zu klinischer oder operativer Tätigkeit noch zu eigener Arbeit für seine anstehende Habilitation. Geriet er einmal trotz seines Fleißes mit dem in Verzug, was ihm aufgetragen war, wurde dem ‚säumigen Mitarbeiter‘ wissenschaftliche Unfähigkeit und Sterilität vorgeworfen. Diese Enttäuschungen und Belastungen waren auf die Dauer für einen so sensiblen Menschen zuviel. Eines Morgens wurde er mit eröffneter Oberschenkelschlagader in seinem Zimmer gefunden. Wenn eine Liebesgeschichte, wie sie von anderer Seite als Motiv zu diesem Selbstmord unterstellt wird, überhaupt eine Rolle gespielt hat, so war sie höchstens die auslösende Ursache. Wie mir später der Operationspfleger Stiller erzählt hat, sollen Sauerbruch bei der Beerdigung unaufhörlich die Tränen über die Wangen gerollt sein. Da habe ihn eine alte Putzfrau aus der Charité angesprochen: ‚Jaja, Herr Geheimrat, nu könn’se flennen, jetzt, wo et zu spät is“ [Forßmann 1972, p. 128].

Erfreulicherweise haben sich viele dieser negativen Ausprägungen, nicht zuletzt dank des Engagements und Mutes vieler junger Chirurginnen und Chirurgen, grundlegend verändert. An die Stelle einer von steilen Hierarchien und autokratischen Führungsstrukturen geprägten Unternehmenskultur ist vielerorts – zumindest an meiner Stammklinik – eine offenere und transparentere Kultur getreten, die eine konstruktive Fehlerkultur, eine strukturierte Weiterbildung sowie eine deutlich bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Frauen in der Chirurgie fördert. Öfner D in Eur Surg 2024

Rezente Entwicklungen in der kolorektalen Chirurgie

In der kolorektalen Chirurgie haben sich in den letzten 2–3 Jahren einige Entwicklungen herauskristallisiert, die die klinische Praxis zunehmend verändern. Nicht alle sind bereits Standard, aber mehrere werden derzeit in Leitlinien und an spezialisierten Zentren implementiert.

Präzise onkologische Chirurgie

Techniken wie die vollständige mesokolische Exzision (CME) mit zentraler Gefäßligatur, mit und ohne Lympadenektomie im Henle Trunkus und Fluoreszenzangiographie mit ICG zur Perfusionsbeurteilung werden zunehmend standardisiert, um Anastomoseninsuffizienzen zu reduzieren und die onkologische Qualität zu verbessern. 

Transanale Verfahren

Nach der anfänglichen Euphorie wurde die transanale totale mesorektale Exzision (taTME) kritischer bewertet. Eingesetzt unter strukturierte Ausbildung und sorgfältige Patientenselektion bleibt dieses Verfahren High-Volume-Zentren vorbehalten.


Organerhalt beim Rektumkarzinom (“Watch and Wait”)

Dies ist wahrscheinlich die größte Veränderung der letzten Jahre. Nach kompletter neoadjuvanter Therapie (Total Neoadjuvant Therapy, TNT) erreichen etwa 20–30 % der Patienten eine komplette klinische Remission. Engmaschige klinische, MRT- und Endoskopie Kontrollen sind wichtig. Eine Salvage-Operation bei Lokalrezidiv oder „regrowth“ möglich.

Immuntherapie

Bei dMMR/MSI-H-Rektumkarzinomen zeigen Immuncheckpoint-Inhibitoren außergewöhnliche Ergebnisse. In einzelnen Studien kam es bei einem Großteil der Patienten zu vollständigem klinischem Ansprechen, sodass eine Operation teilweise vermieden werden konnte. Derzeit betrifft dies zwar nur etwa 5–10 % der Rektumkarzinome, stellt aber einen Paradigmenwechsel dar.  

ctDNA als Marker für minimale Resterkrankung

Die Bestimmung zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) entwickelt sich zu einem der spannendsten Themen. Mögliche Anwendungen: Identifikation von Hochrisikopatienten nach Resektion, Steuerung der adjuvanten Chemotherapie, frühzeitige Rezidiverkennung und Unterstützung der Watch-and-Wait-Strategie. Noch ist dies überwiegend Spezialzentren und Studien vorbehalten, dürfte aber in den nächsten Jahren zunehmend in die Routine einfließen.  


Künstliche Intelligenz im Operationssaal

KI wird zunehmend für Polypendetektion während der Koloskopie, intraoperative Navigation, automatische Anatomieerkennung, Operationsvideoanalyse und Training junger Chirurgen eingesetzt. Die ersten Systeme werden bereits klinisch genutzt; viele weitere befinden sich in der Entwicklung.  


Wo liegen die Entwicklungsfelder bis 2030

Die größten Veränderungen sind voraussichtlich in folgenden Bereichen zu erwarten: Individualisierte Chirurgie anhand von ctDNA und molekularen Biomarkern. Weitere Verbreitung der Robotik mit neuen Plattformen neben dem da-Vinci-System, obwohl der Vorteil gegenüber der Laparoskopie nicht bewiesen wird, wird wohl die Robotic die Laparoksopie weitestgehend ersetztem. Mehr Organerhalt beim Rektumkarzinom durch TNT, Immuntherapie und Watch-and-Wait. KI-gestützte Operationsplanung und intraoperative Entscheidungsunterstützung und naheliegend ist auch eine digitale Qualitätskontrolle durch automatische KI gestützte Analyse von Operationsvideos.  

Aktuelle Entwicklung: Divestment versus arterielle Resektion bei LAPC

Nach moderner neoadjuvanter Therapie wird die Pankreatoduodenektomie bei lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom zunehmend in Richtung periarterielles divestment und selektive arterielle Resektion erweitert. Ziel ist nicht mehr allein die technische Resektabilität, sondern eine onkologisch sinnvolle R0/R1-nahe Resektion bei vertretbarer Morbidität.

Das periarterielle Divestment kann insbesondere nach FOLFIRINOX-basierter Vorbehandlung eine arterielle Rekonstruktion vermeiden. Es ist jedoch keine echte En-bloc-Resektion der betroffenen Gefäßachse. Dadurch bleibt das Risiko bestehen, dass mikroskopische Tumorreste im periarteriellen Plexus oder an der adventitiellen Grenzfläche verbleiben, sodass eher eine R1-Situation resultiert. Bei eindeutiger arterieller Infiltration kann deshalb die geplante arterielle Resektion onkologisch konsequenter sein als ein technisch mögliches, aber randnahes Divestment. Ein wesentlicher limitierender Faktor bleibt die funktionelle Morbidität. Besonders gefürchtet ist die postoperative neurogene Diarrhö nach ausgedehnter periarterieller Plexusdissektion oder arterieller Resektion, vor allem entlang der A. mesenterica superior. Neuere Arbeiten deuten jedoch darauf hin, dass diese Diarrhö häufig medikamentös und ernährungstherapeutisch kontrollierbar ist und sich im Verlauf bessern kann; einige Serien erfassen eine Stabilisierung innerhalb der ersten 6 Monate, andere berichten über länger anhaltende, aber kontrollierbare Verläufe. Gustorff C et al.⁠ Eine große Serie aus Heidelberg zeigte, dass arterielle Resektionen bei LAPC in spezialisierten Hochvolumenzentren nach Lernkurve machbar sind. Analysiert wurden 385 Patienten mit pancreatectomy with arterial resection oder arterial divestment bei LAPC. Loos M et al.

Damit verschiebt sich die chirurgische Strategie: Divestment ist ein wichtiges Instrument zur Vermeidung arterieller Rekonstruktionen, darf aber nicht als onkologisch gleichwertige En-bloc-Resektion missverstanden werden. Bei persistierendem Verdacht auf arterielle Wand- oder Plexusinfiltration sollte in erfahrenen Zentren die geplante arterielle Resektion unter proaktiver Prävention und Behandlung der postoperativen funktionellen Folgen, insbesondere der Diarrhö, erwogen werden.

A-B-C-E-Prinzip der onkologischen OPs

Im onkologischen Kontext erfolgt die Indikationsstellung für operative Eingriffe zunehmend nach dem sogenannten A-B-C-E-Prinzip: A steht für Anatomy — das Resektat folgt den embryologisch vorgegebenen Strukturen (z. B. mesokolische, mesorektale, mesopankreatische Ebenen); B für Biology — dabei werden phäno- und genotypische Merkmale des Tumors berücksichtigt (z. B. Tumorgrading, Mutationen, Therapieresponse); C für Condition — also der Allgemein- und Funktionszustand der Patient:innen (z. B. Komorbiditäten, Gebrechlichkeit, ASA-Status); und E für Expertise — sowohl im Sinne der technischen und interdisziplinären Fähigkeiten des Operateurs als auch der infrastrukturellen Voraussetzungen des Zentrums.

z.B. MD Anderson

Drei Mortalitätsmuster nach Pankreaskopfresektion

Die Autoren analysierten retrospektiv 2.065 Patient:innen nach Pankreaskopfresektionresektion und identifizierten drei unterschiedliche Muster (A, B, C) des postoperativen Sterbens anhand von Zeitpunkt und zugrunde liegenden Ursachen:
1. Pattern A: ca 71,4 % aller Todesfälle (45/63), Median 43 Tage postoperativ (Bereich 14–260 Tage). Ursache: meist spezifische postoperative Komplikationen wie anastomotische Fisteln, hämorrhagische Ereignisse, delayed gastric emptying
2. Pattern B (kritisch-early) in 15,9 % (10/63), Median 18 Tage post-OP (1–55 Tage). Ursache: direkte Folgen hoher chirurgischer Komplexität oder frühzeitiger schwerer Komplikationen
3. Pattern C (unerwartet-very early) in 2,7 % (8/63), Median 8 Tage post-OP. Treten nach formal komplikationslosem Verlauf auf, mit oft unklarer Ursache

Giuliani T et al.

Adaptierte PAP bei Koloneingriffen

Die präperative ABX Prophylaxe (PAP) sollte von einem 2. Generationscephalosporin auf Ertabenem geändert werden, wenn bei Pat. vorher eine Reise durch die Länder Südamerikas, Afrikas und des nahen als auch fernen Ostens stattgefunden hat. Diese Pat. sind von 6% bis 75% mit gramnegativen resistenten Erregern kolonisiert(1).

(1) Arcilla MS et al. Lancet Infect Dis 2016

Nutman A et al. Clin Infect Dis 2020;70:1891-7

niedriges präop Serumkreatinin als Prädiktor für po M&M

NSQIP Daten 2005-2020 1.8 Mio Pat. Niedriges Serumkreatinin war gar nicht so selten (war mir bislang nicht bewusst): 27,8 % der Männer und 23,5 % der Frauen zeigten ein niedriges präoperatives Serumkreatinin, bei 14,6 % traten Komplikationen auf und 1,2 % starben.
Im Vergleich zum Referenzkreatininwert (Männer 0,85-1,04 und Frauen 0,65-0,84) Serumkreatininwert ≤0,44:
Männer: 55 % erhöhtes Sterberisiko (aOR: 1,55; 95%CI: 1,29-1,86) und ein um 82 % erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen (aOR: 1,82; 95%CI: 1,69-1,97).
Frauen: 49 % erhöhtes Sterberisiko (aOR: 1,49; 95%CI: 1,32-1,67) und ein um 76 % erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen (aOR: 1,76; 95%CI: 1,70-1,83).

Loria A. et al. Low Preoperative Serum Creatinine is Common and Associated with Poor outcomes following Non-emergent Inpatient Surgery. Annals of Surgery 2022 ahead of print

Kommentar: niedriges Serumkreatinin = Sarkopenieparameter? (Muskelfunktion) oder eingeschränkte Leberfunktion (auch bekannt als präop Prädiktor)