periop. Transfusionen und Outcome

NSQIP Daten 2014: knapp 50.000 Pat., davon erhielten 10% eine periop. Transfusion. Nach Risikostrafizierung zeigten konventionelle Methoden ein zweifach höheres M&M Risiko, wenn EKs verabreicht wurden. Bei den ein einzelnen Operationen wie folgt: Ösophagusresektion (OR = 2,80) Pankreasresektion (OR=1,88) Leberresektionen (OR=2,82) und alle laparoskopischen Operationen im GIT (OR=2,73)

Dass Transfusion mit schlechteren Outcome assoziiert sind wird hier nochmals an einem sehr großen Patientenkollektiv nachgewiesen. Wieder wird nicht auf das präop Hb  eingegangen. Dieses beeinflusst ja massgeblich den periop. Blutbedarf.

Elwood NR et al. The negative effect of perioperative red blood cell transfusion on morbidity and mortality after major abdominal operations. American Journal of Surgery 2018 February 17

Die Top-10 Gefahren medizinischer/chirurgischer Behandlungen

  • Alarm Hazards: Fast alle medizinischen Geräte sind mit Alarmvorrichtungen ausgestattet. Dadurch „piepst“ es zu oft und der Sinn solcher Einrichtungen geht verloren
  • Falsche Dosierung durch Infusionspumpen: laut FDA die Vorrichtung mit der höchsten Gefahr. In den Staaten sind zwischen 2005 und 2009 mehr als 700 Todesfälle auf „falsche Programmierung“ von Infusionspumpen zurückzuführen.
  • Unnötige Röntgenuntersuchungen: alt bekanntes Problem, v.a. CT-Untersuchungen. Mit der Anzahl der unnötigen Röntgenuntersuchungen steigt auch die Gefahr einer „Verbrennung“, die zwar selten vorkommt, aber immer noch zu häufig. Ich verlange von jedem Mitarbeiter, der Untersuchungen veranlasst, dass ihm/ihr bewusst ist was von dieser Untersuchungsmethode zu verlangen/erwarten ist und ob sich eine klinische Konsequenz daraus ergibt. Dies ist auch zentrales Thema meiner Vorlesungen. 
  • Fehler im Datenmanagement: Falscheintragungen in Krankenhausinformationssystemen (KIS), Übertragung von Fehler über die Zeit von einer Krankenakte auf die andere, falsche Zuordnung der Daten, etc. etc. Ich mache die Beobachtung, dass konsistent um die 10% aller dokumentierten medizinischen Daten falsch oder nicht ganz richtig sind.
  • Schnittstellen zwischen medizinischen Geräten: Dies war zwar kein führendes Thema im Rahmen unseres Riskaudits an der UK für Chirurgie vor 2 Jahren, hat uns aber doch die Augen für diese Fehlerquelle vor allem im OP geöffnet.
  • Luftembolie: Zwar selten, aber schwerwiegend, da in den allermeisten Fällen letal.
  • Techniken die für Erwachsene entwickelt wurden, werden bei Kindern angewandt.
  • Kontaminierte endoskopische und chirurgische Instrumente. Gerade bei der Aufbereitung endoskopischer Instrumente herrscht in den deutschsprachigen Ländern Europas eine sehr hohe Qualität. Dies gilt natürlich im gleichen Mass für die chirurgischen Instrumente. Wir haben zusätzlich noch eigene Richtlinien bei bestimmten Erkrankungen, z.b. bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.
  • Piepser, DECT-Telefon, Smartphones, etc.: Eine hohe Fehlerquelle stellen die Verwendung dieser Kommunikationstechniken bei der klinischen Arbeit, vor allem im OP und wenn sie für nicht-medizinische (=private) Gründe eingesetzt werden, dar. Im OP herrscht an der UK für Chirurgie ein „Handyverbot“.
  • Verbrennungen im OP: In den Staaten 600 Fälle pro Jahr. Wir haben auf neue Matten, statt auf Klebeelektroden umgestellt, bei denen diese Verbrennungen physikalisch nicht möglich sind.

An der UK für Chirurgie sind 4 Mitarbeiter als Risk-Manager ausgebildet.

http://www.aami.org/publications/summits/AAMI_FDA_Summit_Report.pdf

Smith T, Darling E, Searles B. 2010 survey on cell phone use while performing cardiopulmonary bypass. Perfusion. 2011;26:375-380.

ECRI Institute. Top 10 health technology hazards for 2012. Health Devices. 2011;40