Binsenweisheit: Chir. Fertigkeit = Outcomequalität

17 Chirurg*innen, 13 Männer (76%). Erfahrung von 1 bis 28 Jahren in der chirurgischen Praxis (Median, 11 Jahre). Von 2014 bis 2016: 3063 Eingriffe (1120 Kolektomien). 10 oder mehr Gutachter pro Video: max. Qualitätsbewertung 5 Pkt. –> Technische Fertigkeiten zwischen 2,8 und 4,6.

Höhere Werte der technischen Fertigkeiten waren signifikant mit niedrigeren Raten von Komplikationen (15,5% vs. 20,6%, P = .03; Spearman-Korrelationskoeffizient r = -0,54, P = 0,03), ungeplanten Reoperationen (4,7% vs. 7,2%, P = .02; r = -0,60, P = 0,01) und für schwere Morbidität inkl. Tod (15,9% vs. 21,4%, P = 0,02; r = -0,60, P = 0,01) nach Kolektomie assoziiert. Für alle Arten von Eingriffen die selben Ergebnisse.

Stuhlberg JJ et al. Association Between Surgeon Technical Skills and Patient Outcomes JAMA Surg. 2020;155(10):960-968

Worüber ich jeden Tag aufmerksam mache

Ausnahmsweise mein Kommentar vorangestellt: Die meiner Meinung nach sehr wichtige Arbeit, auf die ich erst jetzt gestoßen bin, die aber an Aktualität an nichts verloren hat, untersucht die Art von Fehlern in der Datenübertragung und -kommunikation, die zu unerwünschten Ereignissen und Beinahefehlern führt. Die signifikant geänderten Rahmenbedingungen (Stichwort AZG, Ressourcen, etc.) führt zu neuen Schnittstellen und die alten sind offener als je zuvor. Diese Problematik, auf die ich immer wieder bei den Routinebesprechungen der VTT hinweise, wird uns noch lange beschäftigen und mein Eindruck und meine Erfahrung ist, dass sich digitale Systeme, die ich sehr forciert habe, nicht alleine das Potential haben den entscheidenden Fortschritt zu erzielen, sondern es wird an jedem/r einzelnen Mitarbeiter*in liegen sich seiner/ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Zum Beispiel bei den Routinebesprechungen aufmerksam zu sein und die Information ans Krankenbett mitzutragen, die Kollegen*innen die Fehlzeit haben zu informieren etc.

Zur Arbeit: Gruppensitzungen wurden mit spezialisierten Chirurgen (n = 59), Allgemeinchirurgen (n = 36) und OP-Schwestern (n = 42) in 5 medizinischen Zentren durchgeführt. Fallbeschreibungen und allgemeine Kommentare wurden nach der Art der Informations- Kommunikaitonslücken und deren Auswirkungen auf Patienten und auf die medizinische Versorgung klassifiziert.
Insgesamt wurden 328 Fallbeschreibungen und allgemeine Kommentare eingeholt und klassifiziert. Die Vorfälle gliederten sich in 4 Bereiche:
> verschwommene Verantwortlichkeiten (87 Berichte)
> verminderte Vertrautheit des Chirurgen mit den Pat. (123 Berichte)
> Ablenkung der Aufmerksamkeit des Chirurgen (31 Berichte)
und
> Defizite in der Kommunikation (67 Berichte).


Die Folgen von Kommunikations- und Informationsverlusten waren:
> Verzögerungen in der Patientenversorgung (77% der Fälle)
> vergeudete Arbeiterzeit (48%) und
> schwerwiegende unerwünschte Folgen für den Patienten (31%).


Schlussfolgerung: Defizite in der Kommunikation und Informationsweitergabe tragen erheblich zu negativen Folgen für den Patienten und zur Ineffizienz der Arbeit bei. Es bedarf einer erheblichen Änderung der Unternehmenskultur um diesen brennenden Problemen zu begegnen.

Williams RG et al. Surgeon information transfer and communication: factors affecting quality and efficiency of inpatient care Annals of Surgery 2007;245:159-69

Ausbildung geht weiter in Richtung Subspezialisierung

Wie bei uns wird auch in den Staaten die Breite der Ausbildung in der Chirurgie immer schmäler. Diesen Trend berichtet das American Board of Surgery in seinem jüngsten Bericht, der auch anlässlich des  Academic Surgical Congress, Jacksonville, FL, in Jänner diesen Jahres gezeigt wurde.

Cortez AR et al. Narrowing of the surgical resident operative experience: A 27-year analysis of national ACGME case logs. Surgery 2018 in press (https://doi.org/10.1016/j.surg.2018.04.037)