po. Überleben bei intrahepatischem CCC

Die Arbeit inkludiert nicht nur eine übliche Überlebensanalyse (actuarial OS) an einem recht großen Patientenkollektiv (N=535), sondern berichtet auch über einen interessanten Einblick den selektionierten Verlauf im Untersuchungskollektiv, die über eine besondere Art der Statistik, nämlich der Berechnung des „bedingtes Überlebens“ (conditional survival) zum Ausdruck kommt. Damit wird die Zeit, die die Patienten eines Kollektivs bereits überlebt haben mit berücksichtigt. Zum Beispiel wird berechnet wie wahrscheinlich es ist, dass Patienten 8 Jahre nach Resektion erleben, wenn das betreffende Kollektiv bereits 5 Jahre überlebt hat. Aber zuerst zur üblichen Überlebensanalyse: 39% nach 3 und 16% nach 8 Jahren [@8y] (P = 0,002). Prognosefaktoren waren: Tumorgröße (hazard ratio [HR]: 1,02; 95% CI: 1,00-1,05; P = 0,05), multifokaler Tumor (HR: 1,49; 95% CI: 1,19-1,86; P = 0,01), Lymphknotenmetastasen (HR: 2,21; 95% CI: 1,67-2,93; P <o,.01) und Gefäßinvasion (HR: 1,39; 95% CI: 1,10-1,75; P = 0,006). Das „conditional survival“ (CS) steigt im Gegensatz zum Gesamtüberleben. So war das CS3 bei einem 5 Jahresüberleben 8 Jahre zu erleben 65%, das OS dagegen beträgt 16%@8y. Diese deutliche besseren CS Daten hatten auch für die Prognosefaktoren durchgängig Gültigkeit. So hatten Patienten mit Lymphknotenmetastasen ein CS3 von 49% @ 6y vs. actuarial OS von 11%@6y (Δ38%). Nochmals übersetzt heißt das, dass Pat. die bereits 3 Jahre überlebten eine 49% Wahrscheinlichkeit haben nochmals 3 Jahre zu überleben. Ähnlich für V1 (Gefäßinvasion): CS3 von 30%@6y gegen actuarial OS von 15%@6y (Δ35%). Danke an Prof. Schneeberger, der mich auch diese Arbeit aufmerksam gemacht hat.

Damit wird die OP-Indikation, vor allem bei fehlenden Alternativen in eine anderes Licht gerückt, denn angesichts der schlechten Gesamtüberlebensdaten (actuarial OS) könnte man ja so seine Zweifel in Bezug auf die Sinnhaftigkeit einer chir. Intervention bekommen, vor allem wenn man sehr selbstkritisch ist. Der Hintergrund oder die mögliche Erklärung für dieses Ergebnis der höheren CS Wahrscheinlichkeit gegenüber der bislang üblichen Berechnung ist, dass wir mit Hilfe der Chirurgie eine Patientengruppe selektionieren, die ein anderes biologisches Verhalten hat und von einem lokalen Verfahren, nämlich der chir. Leberresektion profitiert. Sehr anschaulich konnte dies bereits bei Lebermetastasen des kolorektalen Karzinoms (KRK) gezeigt werden, wo die Überlebensdaten ja unvergleichbar besser sind und wo in der Vorära der medikamentösen antitumorösen Therapie mit der Leberresektion alleine ein Langzeitüberleben (20%@10y) erreicht werden konnte. Und das bei einer nach unserem heutigen Verständnis allgemein akzeptierten Definition einer systematischen Erkrankung (metastasiertes KRK). Um in der Ära der medikamentösen Therapie den Nachweis zu führen, dass die Chirurgie additiv einen Effekt auf das Überleben besitzt, wurde die sogenannte „Landmark survival analysis“ in der statistischen Überlebensanalyse verwendet. Es wurde die Analyse erst nach 1 Jahr bei 1005 Wahrscheinlichkeit gestartet, denn verlängertes Überleben birgt die Gefahr einer Verzerrung indem die Wahrscheinlichkeit einer Resektion zunehmend mit der Zeit steigt und daher die Resektion gegenüber einer reinen medikamentösen antitumorösen Therapie besser abschneiden könnte.

Spolverato G et al. Conditional Probability of Long-term Survival After Liver Resection for Intrahepatic Cholangiocarcinoma: A Multi-institutional Analysis of 535 Patients. JAMA Surg. 2015 [ahead of print]

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