BMI und Krebsrisiko

Epidemiologische Studie aus UK an 3,24 Millionen Erwachsenen. Dabei wurde ein zwar heterogener, aber strikter Zusammenhang zwischen dem Grad der Adipositas und dem Auftreten von Karzinomen bei 17 der 22 im Beobachtungszeitraum aufgetreten Malignomen gefunden. Einerseits wurde ein fast linearer Zusammenhang gefunden. Ein Zuwachs von je 5kg/m2 führte zu einem 1,6 (99% CI 1,56-1,69) erhöhten Risiko an einem Uteruskarzinom zu erkranken. Dies erwies sich als stärkster Zusammenhang. Die restlichen hazard ratio [HR]: 1,3 Gallenblasenkarzinom, 1,25 Niere, 1,1 Cervix, 1,09 Schilddrüse und Leukämie. BMI war positiv assoziiert mit Leber, Kolon, Ovar, und postmenopausablem Mammakarzinom. Aber das Prostatakarzinom und prämenopausale Mammakarzinom war invers assoziiert. Keine Korrelation wurde für das Lungen- und Mundbodenkarzinom gefunden. Es wird hier vermutet dass hier Rauchen einen besonderen Einfluss nimmt. In dieser Studie wird angenommen, dass 41% der Uteruskarzinome und jeweils zumindest 10% des Gallenblasen-, Nieren-, Kolon- und Leberkarzinome auf einen pathologischen BMI zurückzuführen sind. Angenommen alle Einwohner des Vereinigten Königreiches würden 1kg/m2 zunehmen, würde bedeuten, dass 3790 zusätzliche Karzinome pro Jahr auftreten würden.

Bhaskaran K et a. Body-mass index and risk of 22 specific cancers: a population-based cohort study of 5·24 million UK adults. The Lancet, early Online Publication, 14 August 2014

Zusammenhang zwischen Erreichbarkeit einer Gesundheitseinrichtung und fortgeschrittener Tumorerkrankung auch beim Kolonkarzinom

Pat. mit einer Anreise von mehr als 80 Kilometer zur Gesundheitseinrichtung hatten in dieser Untersuchung signifikant häufiger ein synchron metastasiertes kolorektales Karzinom.

Massarweh NN et al. Association Between Travel Distance and Metastatic Disease at Diagnosis Among Patients With Colon Cancer JCO 2014:942-8

Wert des Risk-Adjusted Nomogram RAMP für das Rektumkarzinom neuerlich bestätigt

In das Risk-Adjusted Pathologic Margin Positivity Rate Nomogram (RAMP) gehen patienten- und tumorbezogene Parameter, wie Tumorsitz im unt. Drittel, APE, pT4 etc. ein. Damit können die Qualität von Krankenhäusern verglichen werden. Eine Arbeit aus Texas zeigt, dass Pat. aus Krankenhäusern mit einer niedrigen RAMP Rate ein besseres Überleben zeigen.

Russell MC et al. A Novel Risk-Adjusted Nomogram for Rectal Cancer Surgery Outcomes. JAMA Surg 2013;148:769-77

Massarweh NN et al. Risk-Adjusted Pathologic Margin Positivity Rate As a Quality Indicator in Rectal Cancer Surgery JCO published online on August 4, 2014

Und es wird wieder gewartet werden …

In einer repräsentativen Umfrage äußern 58% aller US AllgemeinchirurgInnen, den Job in ihrem Krankenhaus als Resident an den Nagel hängen zu wollen. Das Nachwuchsproblem ist schon lange bekannt, das vor allem die Chirurgie betrifft. Werden aber geeignete Massnahmen getroffen um dem entgegen zu wirken? Arbeitszeitanpassungen und adäquate Entlohnung sind längst überfällig. Wie lange wird noch gewartet werden?

Gifford E et al. Factors Associated With General Surgery Residents‘ Desire to Leave Residency Programs: A Multi-institutional Study. JAMA Surg. 2014 Jul 30 [Epub ahead of print]

Idente po. Ergebnisse der laparoskopischen Leberresektionen

In einer retrospektiven matched case-control Studie wurden 52 Pat. einer lap. Leberresektion und der idente Anteil „offen“ operiert. Zur Überraschung aller waren die po. Letalität und Morbidität ohne Vorteil für die lap. Methode. Ausständig sind die Langzeitergebnisse, die aber eher wohl einen Vorteil für die konventionelle OP-Methode in sich birgt. Von den Autoren wird auch erwähnt, dass die Ergebnisse für die lap. Methode sehr enttäuschend ist, vor allem vor dem Hintergrund, dass auch in einer matched case-control Studie eine Verzerrung durch Selektion zu Gunsten besserer Ergebnisse für die lap. Methode nicht auszuschließen ist. Ihre Empfehlung ist daher, die lap. Lebereingriffe auf singuläre Herde in sinnvoller Lokalisation zu beschränken (Anmerkung: spiegelt sich auch in den sog. Louisville-Kriterien wider).

Wir führen an der UK für Chirurgie in streng selektionierten Fällen laparoskopische Leberresektionen nach der Empfehlung der Louisville Kriterien durch und diese werden alle im Österreichischen Lebermetastasenregister der AGMT eingegeben. Dort befinden sich bislang wenige minimal invasiv gestaltete Eingriffe. Da dieses Register durch eine hohe Datenvalidität mittels einer Qualitätssicherung ähnlich den klinischen Studien gekennzeichnet ist, werden Anforderungen an die Qualität ebenso erfüllt, wie der Wissensgewinn der durch Register erwartet werden kann.

Franken C et al. Comparison of Short-term Outcomes in Laparoscopic vs Open Hepatectomy. JAMA Surgery 2014 [Epub ahead of print]

Zusammenhang zwischen Autoimmunerkrankungen und Krebs

Eine vom Ansatz her besonders interessante Arbeit aus der Pathologie in Johns-Hopkins. Bisher war der Weg, dass Krebszellen der Immunantwort entgehen können belegt. Das erhöhte Risiko für verschiedene Krebsarten bei Immunsuppression ist bekannt. Jetzt wurde bei Patienten mit Sklerodermie folgendes entdeckt. Es ist bekannt, dass Pat. mit Sklerodermie gegen eine kleine Gruppe von Autoantigenen Autoantikörper produzieren. Dazu gehört RPC1, das Gen dafür ist POLR3A. In dieser Studie wurde bei 6 aus 8 Pat. mit Sklerodermie, die ein Karzinom entwickelt hatten Mutationen in diesem Gen nachgewiesen. Bestechend logisch wurde geschlossen, dass eine fehlerhafte Bauanleitung in den Tumorzellen zur Synthese eines ebenfalls fehlerhaften Proteins RPC1 führt. Gegen dieses wird ein AK gebildet, der mit dem „gesunden“ RPC1 kreuzreagiert und damit die Sklerodermie auslöst. Autoimmunerkrankungen also ein Epiphänomen der Karzinome? Die Datenlage ist sehr dünn, aber hoch interessant. War die Autoimmunkrankheit oder der Krebs zuerst vorhanden? In dieser Untersuchung Krebs. Vor dem Hintergrund, dass wahrscheinlich häufig im Leben Mutationen in Zellen auftreten, diese „Karzinomzellen“ aber vom Immunsystem/Reparatursystem eliminiert werden, könnten als Phänomen die Autoantikörper zurückbleiben. Autoimmunerkrankungen udn Krebs scheinen miteinander verbunden zu sein. So könnte es auch weiters so sein, dass gerade der Clone eines Karzinoms nach einer gewissen Zeit (=Größe des Tumors und damit Symptome) nicht mehr nachweisbar ist, gegen den diese AK gerichtet waren. Sichtbar aus diesem Versteckspiel des Tumors (Immuno-Editing) sind nur mehr die AK, die zu Autoantikörper geworden sind. Ähnliches wird für Typ-1 Diabetes und Leukämie angenommen.

Christine G. Joseph CG et al. Association of the Autoimmune Disease Scleroderma with an Immunologic Response to Cancer Science 2014;343:152–7